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Kita Salierstraße

Kita Salierstraße, Waiblingen

Leseratten, Kindergeburtstage und Fotoausstellungen: Medienarbeit in der Kita

Vorbei an Einfamilienhäusern und Hochhäusersiedlungen führt der Weg zur Städtischen Kindertageseinrichtung "Salierstraße" in Waiblingen. Fast 100 Kinder werden hier täglich von etwa 13  Mitarbeitern betreut. Veronika Mischke, Erzieherin an der Salierstraße, ließ sich 2015 von der Medienwerkstatt Kindergarten – einem Programm im Rahmen der Initiative Kindermedienland – qualifizieren. Danach folgte eine Förderung durch den Medienkompetenz-Fund. Wir sprachen mit der Kitaleiterin Petra Schmalzl und Veronika Mischke über die medienerzieherische Arbeit an der Kita.

Was hat die Medienwerkstatt Kindergarten der Einrichtung insgesamt gebracht?

Frau Mischke: Die Medienwerkstatt hat uns sehr viel gebracht. Durch die Fortbildung gab es einen richtigen Motivationsschub, woraufhin wir uns wie gesagt beim Medienkompetenz-Fund beworben haben.

Petra Schmalzl: Wichtig war uns bei der Bewerbung, dass alle Kollegen etwas davon haben und dass das angeschaffte Material im Kita-Alltag integriert werden kann. Bei der Eltern-Bücherei und der Leseratte ist das hervorragend gelungen. Darüber hinaus haben wir Projekt-Kisten zum Thema „Katze“, „Pferd“ oder „Ägypten“ angelegt. Darin sind Bücher, CDs und Filme. Das wäre ohne die Gelder vom Kindermedienland gar nicht möglich gewesen.

Frau Mischke, Sie sind ja bereits seit über 15 Jahren in Kindertagesstätten tätig. Was hat sich bei der Mediennutzung verändert?

Frau Mischke: Das fragen wir uns in der Kita auch regelmäßig. Deshalb haben wir im Kollegium neulich Eindrücke gesammelt, was sich alles geändert hat. Dabei kam eine Menge heraus: ein Eindruck war, dass die Kinder morgens vor dem Kindergarten schon häufiger mit Medien in Berührung gekommen sind als früher. Das fängt bereits auf dem Weg zum Kindergarten an. Ein Riesenunterschied besteht außerdem darin, was damals und was heute gespielt wird. Das Nachspielen der Serien und Filme hat eine viel größere Bedeutung bekommen. Damals hat man das Sandmännchen geschaut und vielleicht noch einen Film, aber nicht in dem Maß wie heute. Geändert hat sich auch die Bewertung der Eltern: das Kind lernt ja durch die Medien, heißt es dann ganz oft. Die Eltern nehmen aber gar nicht wahr, dass persönliche Lernen ganz anders funktioniert als mediales Lernen. Wir merken das auch in den Elterngesprächen: vor 16 Jahren musste man noch nicht so oft Medienberatung machen, wie heutzutage. Damals waren das eher Einzelfälle, heute kommt das bei der Hälfte aller Eltern vor. Die Kollegen vom Gesundheitsamt, die bei uns jährlich die Einschulungsuntersuchung machen, stellen auch einen hohen Bedarf an Medienberatung fest. Die Mitarbeiter dort berichten von Familien, in denen die Kinder täglich zwischen 4 und 6 Stunden fernsehen oder mit dem Tablet spielen. Viele Eltern denken, dass die Kinder beim Schauen zum Beispiel die deutsche Sprache besser lernen. 

Wie läuft denn so eine „Medienberatung“ ab?

Frau Mischke:  Wir fragen, was die Eltern alles erlauben. Daraufhin beraten wir die Eltern, was für die Kinder angemessen ist. Dass man Kinder bei der Mediennutzung begleiten soll, dass Medien bewusst eingesetzt werden sollen, dass es Alternativen gibt, wie Bücher, Kassetten etc. Dann halten wir den Eltern vor Augen, was alles zu den Medien dazuzählt. So sensibilisieren wir sie dafür, wie viele Medien ein Kind im Laufe des Tages nutzt. Nicht nur Handys zählen dazu, auch Radiowecker, das Autoradio. Da erreichen wir bei den Eltern einen Aha-Effekt. Wenn dann rauskommt, dass die Kinder überdurchschnittlich viel fernsehen, dann zeigen wir Alternativen dazu auf: dass auch ein Spielplatzbesuch das Lernen fördert, oder dass man einmal den Umgang mit dem Fotoapparat gemeinsam ausprobiert. Wir wollen den Eltern deutlich machen, dass ein hoher Fernsehkonsum einfach nicht gut ist und dass Fernsehen nicht automatisch etwas mit Lernen zu tun hat, auch wenn da „Lernfernsehen“ drüber steht. Das alltägliche Lernen und das Sprechen mit dem Kind sind viel wertvoller. Die Medienwerkstatt Kindergarten hat uns da gut vorbereitet und uns Ideen mit an die Hand gegeben. Wir geben den Eltern auch Broschüren mit.

Was hat sich denn bei den Eltern geändert? Die haben doch immer noch die gleiche Möglichkeit „ja“ oder „nein“ zu sagen?

Frau Mischke: Gute Frage. Heutzutage hat man das Gefühl, dass Eltern viel schneller überfordert sind als früher. Darüber hinaus nutzen Eltern selber ganz anders die Medien als in der Vergangenheit. Die jungen Eltern bei uns sind damit bereits aufgewachsen und beurteilen das ganz anders.

Geben die Eltern als Vorbild ein falsches Signal an die Kinder?

Frau Mischke Wir haben hier im Kindergarten in der Eingewöhnungszeit ein Handyverbot eingeführt.  Kinder sehen, dass das Handy ein wichtiger Gegenstand ist, das häufig von Eltern benutzt wird. Das gleiche gilt für Tablets, Fernseher und andere Medien. Klar ist, dass Kinder das Verhalten ihrer Eltern imitieren und somit auch gerne alle Medien benutzen wollen.

Wie äußert sich die Mediennutzung am Verhalten der Kinder?

Frau Mischke: Wir bemerken den Medienkonsum an ihrer Konzentration: wenn sie „beflimmert“ werden, dann konzentrieren sie sich. Wenn sie aber selber etwas arbeiten sollen oder aufmerksam sein sollen, dann sind sie schnell abgelenkt. Ein weiterer Effekt: die Kinder haben teilweise die Fernsehsprache angenommen und reden dann so piepsig wie diese Trickfilmfiguren. Oder reden so wie die Roboter aus Star Wars. Die Mediennutzung spiegelt sich bei unseren Themengeburtstagen wieder. Die Kinder wünschen sich dann Themen wie „Star Wars“, „Minions“ oder „Disneys Eiskönigin“. Wir würden in der Kita niemals unterstützen, dass diese Filme stundenlang angeschaut werden. Wir müssen das aber inhaltlich aufarbeiten. Die Kinder sollen die Erfahrungen, die sie zuhause machen, bei uns mitbringen dürfen.

Welche Medien werden in eurer Einrichtung schwerpunktmäßig eingesetzt?

Frau Mischke: Wir überlegen uns genau, mit welchen Medien die Kinder bei uns in Kontakt kommen. Momentan liegt der Fokus auf dem Fotoapparat. Eine Kollegin ist mit der Kamera losgezogen und hat die Kinder zum Thema „Wir entdecken den Frühling“ fotografieren lassen. Die Kinder haben an dem Tag über 100 Bilder geschossen. Sie hat den Kindern gezeigt, wie man die Speicherkarte aus dem Apparat in den Laptop steckt, um sich die Bilder anzuschauen. Mithilfe des Waiblinger Fotoladens Polzhofer durften die Kinder im Labor ihre Fotos ausdrucken und letztendlich ein Fotobuch daraus machen. Zum Abschluss werden da noch Plakate draus gemacht und eine Ausstellung für die Eltern organisiert.

Was für Anschaffungen könnten zukünftig in Frage kommen?

Tablets könnten ganz sinnvoll sein. Insbesondere wenn man draußen unterwegs ist, kann man sofort im Internet nachschauen, was das für Tiere oder Pflanzen sind.

In welchem Umfeld befindet sich die Einrichtung in der Salierstraße?

Petra Schmalzl: Ich bin seit 20 Jahren hier im Haus, da hat sich viel verändert auf der Korber Höhe. Früher war das eher ein Brennpunktgebiet. Mittlerweile wurden sehr viele Einfamilienhäuser dazu gebaut. Sicherlich trifft man bei uns auf Kinder aus  sozial schwachen Verhältnissen, aber genauso auf Kinder aus gutsituierten Familien. Kinder mit Migrationshintergrund haben wir hier zwischen 60 und 70 Prozent. Damit sind Familien gemeint, bei denen die Eltern selbst noch eine andere Muttersprache pflegen. Das Bildungsniveau der Eltern ist  ebenfalls unterschiedlich ausgeprägt. Genau diese Vielfalt ist das, was unsere Einrichtung ausmacht.

Was bedeutet für Sie als  Kitaleiterin die Zusammenarbeit mit der Medienwerkstatt Kindergarten?

Petra Schmalzl: Als sich meine Mitarbeiterin für die Fortbildung angemeldet hatte, war uns nicht klar, dass das so umfassend ist. Ich war zuerst skeptisch, weil die Fortbildung hohe Ausfallzeiten bei der Mitarbeiterin bedeutete. Im Nachhinein hat sich das aber voll für uns gelohnt. Wir haben ja beim Medienkompetenz-Fund mitgemacht, um neue Medien und vor allem Bücher anschaffen zu können. Die Einrichtung ist ja bereits 40 Jahre alt und dementsprechend alt war unser Buchbestand. Darüber hinaus haben wir uns einen Beamer, ein Episkop und eine Digitalkamera zugelegt. Ohne die Qualifizierung wäre das sicherlich alles nicht zustande gekommen.

Im Anschluss an das Interview zeigte uns Erzieherin Sabine Lehnert, wie klassische Medienarbeit aussieht. Wir durften den Kindern beim Papierschöpfen zusehen. Aus Altpapier und Wasser wurde mithilfe eines Pürierstabes ein Brei hergestellt. Der Brei wurde mithilfe einer Siebform ausgepresst und über vorher ausgelegte Handtücher ausgestülpt. Voila: fertig war das Papier. Während das Papier langsam trocknete, durften die Kinder auf richtigem Papier ihre Namen schreiben. In der zweiten Stunde präsentierte die „Leseratte“ den Kindern das Mitmachbuch „Bäumchen verwandle dich!“. Wie begeistert die Kinder waren, sieht man in unserer Fotogalerie.

Viele Einrichtungen wollen mittlerweile auch digitale Medien in ihrem Tagesablauf integrieren. Das Kindermedienland engagiert sich dafür, Erzieherinnen und Erzieher mit dem Programm„Medienwerkstatt Kindergarten“ fit für den Medieneinsatz zu machen.

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